Moment mal, Schöneiche

Hallo. Mein Name ist Raymund, Jahrgang 1967 und ein Hobbyfotograf wie er im Buche steht. Ersten Kontakt mit diesem Hobby bekam ich mit dem Geschenk einer „Pouver Start“. Eine einfache 6×6 Rollfilm Bakelit Kamera, die nur 4 Einstellungen zuließ – „sonnig oder bewölkt“ und „nah oder fern“. Machte aber ganz ordentliche Aufnahmen. 

Es war eine Kamera, die mein Vater schon benutzte und so manches Kinderfoto von mir entstanden ist. Er hatte dann die „EXA 1a“, seine erste Kleinbild-Kamera und anschließend die „Praktika L“. Er hat dann der Fotografie den Rücken gekehrt und hat wieder 8mm Viedeo  angefangen und hat auf der ebene weitergemacht. Somit „erbte“ ich frühzeitig seine „Praktika l“ und ich knipste, was das Zelluloid hergab. 

Nun war es mein Glück, dass mein Vater eine komplette Dunkelkammer-Ausrüstung hatte. Ich weiß noch, wie wir immer die Küche stockdunkel gemacht haben und dann im Akkord die vielen Filme entwickelt haben. Nachteil war allerdings, dass wir die „Dunkelkammer“ immer erst aufbauen und im Anschluss abbauen mussten. Dadurch habe ich immer weniger fotografiert und bis zum Umzug 1981 keine Filme mehr entwickelt.

Trotzdem hatte sich eine Menge an belichteten Filmrollen angesammelt, die in einem Schuhkarton aufbewahrt wurden. Und wie das so mit Schuhkartons ist, werden die über viele Jahre von einer Ecke in eine andere geschoben und irgendwann werden sie vergessen. Aber sie werden nicht weggeschmissen. 

Jedenfalls hatte das Haus, in das wir 1981 zogen, einen ausgebauten Dachboden und dort richtete ich mir meine Dunkelkammer ein. Nie wieder erst alles aufbauen müssen. Ich habe da sehr viel Zeit verbracht. Aber der Schuhkarton blieb unberührt und unbeachtet. 

Als ich dann viele Jahre später mit meiner Familie in unser eigenes Haus gezogen bin, zog die Dunkelkammer mit – auf den Dachboden. Der war hier aber nur eine Abstellkammer. So landete der Schuhkarton und die ganze Dunkelkammer mit allem Equipment in einem noch größerem Karton auf dem Dachboden. 

Erst im Februar 2024 und nach dem Zukauf der „Pentacon Six TL“ wollte ich mit den anderen alten analogen Kameras wieder fotografieren – sofern sie noch funktionieren. In die engere Auswahl kamen die „Weltaflex“ und die „Pentacon SIX“, beides 6×6 Rollfilmkameras sowie die „Praktica BC 20“.

Also rauf auf den Dachboden und den Karton mit der Dunkelkammer herunterholen. Und was fällt mir als erstes in die Hände? Der Schülerton. Mit  den vielen alten belichteten Filmen. Unschwer zu erkennen – es sind wirklich alte Filme. ORWO und NP22 gibt es schon seit Jahren nicht mehr. 

Und was lag sonst noch alles drin? 

Fotopapier der Marke ORWO
alte Entwicklerdose...
...mit Thermometer
etwas modernere Entwicklerdose für 2 KB-Filme
Trichter zum einfüllen in die alte Entwicklerdose
Filme gakauft und Kamera klar gemacht
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Warnung für die Mitbewohner
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Die ersten 4 Filme sind entwickelt und trocknen
Die Laboranfänge 2024

Aber eines gleich zur Erklärung. Die ganze Dunkelkammer wurde nicht wieder aufgebaut. Lediglich die Filmentwicklung wurde wiederbelebt. Und auch hier alles als mobile Einheit. 

Im Bad die Rollläden runter und ein großes Handtuch unten an die Tür (wie viel Licht da rein kommt). Zum Herausnehmen aus den Kassetten und dem Einspulen in die Entwicklerdose muss es stockfinster sein. War zum Anfang etwas knifflig. Mein letztes Filmeinspulen lag gute 25 Jahre zurück. Nach dem zweiten Film kam dann aber schon die Routine wieder.

Die Dusche macht sich perfekt als „Trockenkammer“

Aber wie kam es eigentlich zur Wiederbelebung des alten Hobbys?

„Schuld“ daran war ein Aufruf der Gemeinde Schöneiche zu einem Fotowettbewerb Anfang 2006. Thema: „Moment mal, Schöneiche”. Einsendeschluss für die Fotos war Anfang Juni. Der Aufruf stand in der Gemeinde-Zeitschrift „Schöneiche-Konkret”, der monatlich erscheint. Tina zeigte mir den Artikel. Ich dachte, was könnte ich da schon einsenden? Was habe ich für Qualitäten als Fotograf. Sicher werden ganz viele Schöneicher Bürger Fotos einsenden. Weit gefehlt. Kurz nach Verstreichen der Frist für die Einsendung erschien im „Schöneiche-Konkret” ein erneuter Aufruf zum Fotowettbewerb. Bisher wurde nicht ein Foto eingesandt. Das stachelte mich an und ich schnappte mir meinen Fotoapparat und ging in Schöneiche auf Motivsuche.

Nun nennt sich Schöneiche die Waldgartengemeinde und bringt damit ihre Nähe zur Natur zum Ausdruck. Also überlegte ich, welche Naturbilder ich in Schöneiche finden könnte. Und ich fand Motive. Einen Schmetterling auf einer Sonnenblume, den kleinen Spreewaldpark an der alten Badestelle, einen Sonnenaufgang über einem Feld und eben dieses Motiv, mit dem ich gewonnen habe. Leider hatte ich vor ein paar Jahren einen schweren PC-Crash auf meiner Daten-Festplatte und alle dortigen Bilder waren weg. Mit viel Mühe konnte ich gut Zweidrittel der Daten wiederherstellen. Die Originaldateien waren allerdings hoffnungslos verloren.

Ich will das Rathaus anschreiben. Die müssten das Original aus der Ausstellung haben. Vielleicht bekomme ich es wieder. So bleibt mir nur dieser Zeitungsartikel als Erinnerung an das Bild und meinem 1. Platz beim Fotowettbewerb.


UPDATE ZUM SCHREIBEN AN DAS RATHAUS

Bedauerlicherweise konnte mir bis heute (08.02.24) keiner im Rathaus weiterhelfen. Die damals zuständigen Mitarbeiter sind nicht mehr im Rathaus angestellt und der derzeitige Archivar ist nicht im Dienst. Aber ich bleibe dran…


In einem Gespräch mit den Juroren erfuhr ich, dass mein Foto schon recht zeitig in die engere Wahl kam. Ausschließlich alle eingesandten Bilder bezogen sich auf Naturfotografie. Mein Bild war das einzige, welches auch die Architektur in Schöneiche bedachte. Und so gewann ich mit einem modernen Bau in Schöneiche den Fotowettbewerb “Moment mal, Schöneiche” 2006 und wurde Anfang 2007 zum Neujahrsempfang in die Kulturgießerei eingeladen und bekam den 1. Preis vom damaligen Bürgermeister Jüttner überreicht.

 

Und so kam es dann, dass ich meine Dunkelkammer wieder zum Leben erweckte. Zumindest den Teil der Filmentwicklung.

Ach so. Um aus den Negativen Fotos zu erstellen, habe ich mir einen Fotoscanner gekauft und alle entwickelten Filme digitalisiert.

Und wieder trifft analog auf digital. Perfekt!

Gewinner des Schöneicher Fotowettbewerb „Moment mal, Schöneiche” 2006